Rund 70 Waldbesitzer und Interessierte trafen sich am sonnigen Samstagmorgen, dem
25. Februar 2017, auf dem unteren Parkplatz Hagerwaldsee, um sich von Forstrevierleiter Friedemann Friz die Idee "Sammellagerplatz" (SLP) vorstellen zu lassen. Im Kern geht es darum, für Waldbesitzer, Holzverkäufer und Holzeinkäufer eine Win-Win-Situation zu allseitigem Nutzen zu schaffen.

 

[Text und alle Fotos auf dieser Seite: ©Dr. Gerhard Strobel]
[Text und alle Fotos auf dieser Seite: ©Dr. Gerhard Strobel]

Über das große Interesse an der Vorstellung des Sammellagerplatzes Hagerwaldsee freute sich FBG-Vorsitzender Rainer Eisenmann bei seiner Begrüßung. Am Beispiel dieser Idee von Revierförster Friedemann Friz zeige sich, wie die Forstbetriebsgemeinschaft für Ihre Mitglieder Chancen und Mehrwerte erschließen könne.

Initiator und Organisator: Friedemann Friz
Initiator und Organisator: Friedemann Friz

"Ziel dieses Projekts ist es nicht, einen zweiten Submissionsplatz - ähnlich dem der Wertholzsubmission Eselshalde - zu schaffen. Ziel ist vielmehr, niederschwellig Möglichkeiten zu eröffnen, Klein- und Kleinstmengen an aufgearbeitetem Holz zu bündeln und so leichter Käufer zu finden," erklärte Friedmann Friz.

Um diese Idee auch aus Käuferseite zu beleuchten, hatte er kurzerhand Laurent Metzler eingeladen, einen Holzeinkäufer aus Bezau + Schwarzach im österreichischen Vorarlberg.

Laurent Metzler aus Vorarlberg
Laurent Metzler aus Vorarlberg

Die Firma Metzler stellt hochwertige Fensterrahmen und Tischlerware her. Metzler unterstrich die Aussage des Revierleiters an einem Beispiel: "Liegt das Holz einzelstammweise im Wald, so muss der Holzverkäufer - in Person des Leiters der Holzverkaufsstelle des Rems-Murr-Kreises , Jürgen Sistermans-Wehmeyer - weite Wege in Kauf nehmen, um das Holz selbst in Augenschein zu nehmen. Dann muss dieser unter Umständen mehrere Male mit verschiedenen Interessenten zu diesen Stämmen. Und wenn ein Käufer für eine Kleinmenge im Kleinprivatwald gefunden wäre, so entstünde weiterer Such- und Fahraufwand für den Fuhrunternehmer. Und der kennt sich, am Beispiel der österreichischen Firma, zudem gar nicht aus im Schwäbischen Wald. Das ist teuer und unwirtschaftlich."

 

Kurzum: Waldbesitzer, Holzverkäufer und Holzkäufer profitierten alle von einem zentralen Sammelplatz. Den Waldbesitzer kostet der Transport zum Sammelplatz etwa fünf Euro. Im Durchschnitt wird er diese Kosten aber leicht wieder einspielen, da er nun mehrere potenzielle Käufer ansprechen und dadurch einen echten Marktpreis erwirtschaften kann. Holzverkäufer Sistermans bringt es klar auf den Punkt: "Einzelstämme in Einzellagen sind nicht verkäuflich!"

 

 

Jürgen Sistermans-Wehmeyer erklärt die Holzmerkmale einem interessierten Publikum
Jürgen Sistermans-Wehmeyer erklärt die Holzmerkmale einem interessierten Publikum

Und nun hatten die Teilnehmer/innen an dieser Veranstaltung die seltene Gelegenheit, Förster, Holzverkäufer und Holzkäufer über die Qualitätsmerkmale, Preise und Tipps der angebotenen Hölzer fachsimpeln zu hören:

 

"10 bis 20 Prozent Abschlag muss der Holzverkäufer meist akzeptieren, nur weil das Holz zu stark ist", macht Laurent Metzler klar. Wenn der Stamm eine sehr gute Qualität aufweist, kann es deshalb eine gute Idee sein, die untersten und damit stärksten fünf Meter (nicht kürzer!) als Block abzusägen und auf dem Sammellagerplatz getrennt zu vermarkten, denn hier gilt der Stärkenabschlag nicht.

Für den schlankeren Reststamm ist so unter Umständen ein höherer Preis zu erzielen, da bei diesem ja der Starkholzabschlag entfällt.

Einige Zahlen

  • 129 Fichten-und Tannen-Erdstammblöcke, (64 Tannen udn 65 Fichten) mit zusammen 160 Festmeter werden angeboten
  • 32 Privatwaldbesitzer aus dem Forstrevier Vordersteinenberg beteiligten sich mit durchschnittlich
    je 4 Blöcken
  • Holzqualität unterschiedlich zwischen Güteklasse A und D.
  • Beifuhrkosten: ca. 5 Euro je Festmeter
  • Eigentümerin der Sammelplatzfläche: Gemeinde Alfdorf

Außerdem warnte er davor, vom Erdstammstück eine Kilbe (D-Holz-Stück am Stammfuß) wegzusägen, nur wegen eines kleinen Faulstücks - sofern der Stamm insgesamt gut sei.

Dann wurden einzelne Stämme exemplarisch auf Qualität und Holzfehler unter die Lupe genommen, wobei die Teilnehmer erfuhren, dass die Qualität stets vom oberen Ende des Erdstammstücks her erfolgt, da hier der Eindruck nicht durch die Wurzelanläufe verfälscht wird.

Begutachtet wird der Stammmantel auf Größe und wahrscheinliche Tiefe der darunter liegenden Äste. Diese sind für die Astreinheit der daraus geschnittenen Bretter verantwortlich. Alte Fällschäden deuten auf mögliche Fäulnis im Holz hin.

"Druckholz" (auch Rotholz oder Buchs genannt), bildet sich vor allem bei Bäumen am Hang und

vor allem auf Rutschhängen, durch eine Wachstumsreaktion auf die einseitige Belastung. Es wird als Holzfehler gewertet. Exzentrischer Wuchs am Stammfuß, Stammkrümmung und Buchs können Auswirkungen der gleichen Ursache sein. Die aus buchsigem Holz gesägten Bretter verziehen sich. Sie  sind dann krumm und für hochwertige Verwendung nicht mehr geeignet. 

Die "Ringschäle", die vor allem bei der Tanne bei Jahrringbreiten-Sprüngen auftreten kann, ist dann ein Holzfehler, wenn sie größere Teile des Stammquerschnitts entwertet. "Waldbaulich", so Forstrevierleiter Friz, "kann der Ringschäle vorgebeugt werden, indem die Tanne nicht plötzlich von zu  vielen Konkurrenzbäumen freigestellt wird und deshalb von einem Jahr zum anderen viel breitere Jahrringe bildet." Der "Wimmerwuchs", ein unruhiger Jahrringverlauf vornehmlich am Stammfuß bei Tanne wird manchmal als Holzfehler angesehen, mitunter aber sogar extra gesucht, da er dem Produkt später eine interessante Struktur verleiht.

Bester Stamm am Platz? Eine feinjährige A-Fichte
Bester Stamm am Platz? Eine feinjährige A-Fichte

Positiv dürften alle Waldbauern überrascht gewesen sein, dass der Vorarlberger Qualitätssäger ein flammendes Plädoyer für die Weißtanne abgab, der von Natur aus im Schwäbischen Wald heimischen Hauptbaumart. "Bei guter Qualität mache ich keinen Unterschied zwischen Fichte und Tanne." Augenblicklich schlüge sich dies in Marktpreisen von 140 Euro und darüber für die Güteklasse A, 110 - 115 Euro für die Güteklasse B+ und 2 - 3 Euro über dem normalen Stammholzpreis für die Güteklasse B nieder. Als Fensterrahmenproduzent sei das wichtigste Kriterium für ihn ein feinringiger, gleichmäßig und zentrischer Jahrringaufbau.

Laurent Metzler beurteilt die dickste Fichte
Laurent Metzler beurteilt die dickste Fichte

Ein nächster Beispielstamm fiel sowohl bei Holzverkäufer Sistermans-Wehmeyer als auch beim Holzeinkäufer unten durch: Eine eigentlich sehr schön gewachsene, mittelstarke Fichte war vom Holzbock befallen, der zu großen Löchern im ganzen Stammquerschnitt führt und damit die Holzausbeute je nach Befallsstärke entwertet. Als D-Holz wurde ihm einen Preis von höchstens 60 bis 65 Euro je Festmeter eingeräumt.

Als Schmankerl zum Schluss konnte über den Wert einer extrem dicken Fichte diskutiert werden, deren Mittendurchmesser deutlich über einem Meter lag. Obwohl dieser Stamm wahrlich ehrfurchtheischend da lag, war das Urteil des Holzeinkäufers gnadenlos: "Ein Show-Stamm. Wir können im Werk zwarStämme bis zu 1,10 Meter Durchmesser sägen, aber aufgrund der Stammkrümmung und der Astigkeit muss dieser als D-Holz eingestuft werden."

Bleibt dem Verkäufer der schwache Trost, dass die schiere Masse dieses Riesen doch noch für ein paar Euro im Geldbeutel sorgen dürften.

Der Holzverkäufer Jürgen Sistermans-Wehmeyer zog für alle Waldbesitzer die Lehre: "Wenn Sie das Holz verkaufen möchten, sollen sie es dick,  aber auch nicht zu dick werden lassen."

FBG-Chef Rainer Eisenmann
FBG-Chef Rainer Eisenmann

Ein fruchtbarer Morgen sei es für alle gewesen, bedankte sich FBG-Vorsitzender Rainer Eisenmann bei Forstrevierleiter Friedemann Friz für seine Initiative und die Organisation des Sammelplatzes, bei dem Leiter der Holzverkaufsstelle Jürgen Sistermans-Wehmeyer und beim Holzeinkäufer Laurent Metzler für Ihren Fachbeitrag sowie bei allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern für ihr großes Interesse.

 

Gleichzeitig warb er dafür, sich als FBG-Mitglied an der Verbesserung der Bedingungen für Forstwirtschaft und Holzvermarktung zu beteiligen.

 

Der Humor kam beim Schlusssatz von Friedemann Friz nicht zu kurz, der eine Vermarktungserkenntnis des Vormittags schmunzelnd zusammenfasste:

 

(Fortsetzung folgt)

 

"Jetzt wissen wir endlich:
Der Baum ist nicht krumm,
sondern hat einen Schwung!"


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